ANRECHT DER ARBEITSSUCHENDEN MIT ANSPRUCH AUF ARBEITSLOSENGELD (ALG)

Jeder Arbeitsuchende hat die Möglichkeit, einen privaten Arbeitsvermittler auf eigene Kosten oder über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein der Agentur für Arbeit finanziert in Anspruch zu nehmen.

Sie erhalten einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) wenn Sie:

  1. mindestens 6 Wochen arbeitslos sind
  2. Anspruch auf Arbeitslosengeld haben bzw. Arbeitslosengeld / Arbeitslosenhilfe (Leistung) beziehen
  3. in den letzten drei Monaten, mindestens zwei Monate arbeitslos waren und noch nicht vermittelt sind oder
  4. in einer Arbeitsbeschaffungs- oder Strukturanpassungsmaßnahme beschäftigt sind oder zuletzt beschäftigt waren.
ANRECHT DERARBEITSSUCHENDEN MIT ANSPRUCH AUF HARTZ IV

Beziehen Sie ALG II (Hartz4), dann gelten theoretisch die gleichen Bedingungen – nur liegt die Entscheidung darüber im Ermessensbereich des Sachbearbeiters der Agentur bzw. Ihres Betreuers. Unsere Erfahrung nach wurde aber immer ein AVGS zu gestanden, sofern irgend eine und selbst noch so geringe Leistung bezogen wurde.

GÜLTIGKEIT EINES AKTIVIERUNGS- und VERMITTLUNGSGUTSCHEINES

Ein AVGS ist in der Regel nach Ausstellung für drei Monate (siehe §421 Abs. 1 - SGB) gültig. Die Gültigkeit kann sich im konkreten Fall aber durch den Wegfall des Leistungsbezugsanspruches verkürzen.

ABFORDERUNG UND UMGANG MIT DEM AKTIVIERUNGS- und VERMITTLUNGSGUTSCHEIN

Den AVGS können Sie bei Ihrer Agentur für Arbeit persönlich, schriftlich (Brief, Fax, E-Mail) oder telefonisch unter Angabe Ihrer Kundennummer anfordern.

Nach Erhalt lassen Sie sich eine oder mehrere Kopien vom Vermittlungsgutschein anfertigen. Mit diesen Kopien können Sie einen oder mehrere private Arbeitsvermittler Ihrer Wahl zur gleichen Zeit mit der Unterstützung Ihrer Stellensuche beauftragen.

Wenn ein von Ihnen beauftragter privater Arbeitsvermittler Ihnen einen Arbeitsplatz vermittelt hat, so wird nur unter bestimmten Voraussetzungen dem Antrag auf Auszahlung des AVGS durch die Bundesagentur für Arbeit zugestimmt.

Der Vermittlungsgutschein wird gegenwärtig in Höhe von brutto 2.000 € (enthält die gesetzlichen Mehrwertsteuer) ausgestellt. Langzeitarbeitslose und behinderte Menschen im Sinne des § 2 Abs. 1 SGB IX können einen um bis zu 500 € höher dotierten Vermittlungsgutschein erhalten.

Ein Vermittler hat erst dann Anspruch auf die Vermittlungsvergütung, wenn aufgrund seiner Vermittlung ein Arbeitsvertrag zustande gekommen ist, der folgenden Anforderungen gerecht wird:

  • es sich um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einer Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden wöchentlich handelt
  • von vornherein eine Beschäftigungsdauer von mindestens drei Monaten vereinbart wurde
  • Sie bei demselben Arbeitgeber während der letzten vier Jahre vor der Arbeitslosmeldung nicht oder nicht länger als drei Monate versicherungspflichtig beschäftigt waren.
AUSHÄNDIGUNG DES AKTIVIERUNGS- UND VERMITTLUNGSGUTSCHEINES AN DEN VERMITTLER

Sollten Sie das Original Ihres AVGS nach erfolgreicher Vermittlung durch einen Vermittler zurückhalten?

Nein, nie, selbst wenn Sie im Zweifelsfall den AVGS besser doch zurückhalten wollten, weil Sie:

  1. nicht so sehr überzeugt sind, ob Ihnen die Arbeitsstelle gefallen wird und ob Sie die ersten 6 Wochen beim Arbeitgeber angestellt sein werden oder
  2. zwei oder gar mehrere Vermittler beauftragt haben, die nun alle behaupten, Sie vermittelt zu haben.

Nach einer Vermittlung in Arbeit, die den obigen drei Anforderungen genügt (mehr als 15 Stunden pro Woche, mindestens 3-monatige Beschäftigung, seit vier Jahren nicht beim AG beschäftigt) übergeben Sie das Original so schnell wie möglich dem einzigen Vermittler oder bei mehreren dem Vermittler, von dem Ihr Arbeitgeber vorgibt, Sie seien über diesen Vermittler in Arbeit gekommen.

Durch die Abgabe des Originals nach einer Einstellung vergeben Sie sich nichts!

Im 1. Fall (keine 6 Wochen in Arbeit) können Sie sich beim Vermittler den AVGS persönlich wieder abholen oder zuschicken lassen. Sollte Ihnen der Vermittler aber Vorwürfe machen und die Rückgabe hinauszögern oder verweigern (solche unseriösen und unangenehmen Zeitgenossen gibt es leider auch) ist das auch nicht schlimm. Diesen AVGS kann der Vermittler nie einreichen, da die Voraussetzungen zur Auszahlung der Vergütung nicht erfüllt sind.

Sie können den Vermittler bei der Agentur für Arbeit sogar anzeigen und ein Duplikat Ihres AVGS bei der Agentur für Arbeit beantragen und dieses Duplikat zum nächsten Vermittler Ihres Vertrauens tragen.

Im 2. Fall (mehrere Vermittler) sind Sie auch unbeteiligt. Wer Sie letztlich vermittelt hat und in den Genuss des Vermittlungshonorars kommt, das entscheidet nur Ihr Arbeitgeber und letztlich durch das Ausfüllen des Bestätigungsformulars hinsichtlich Ihrer Beschäftigung für den Auszahlungsantrag des Vermittlers.

Sollten Sie versehentlich dem "falschen" Vermittler den AVGS übergeben haben, so ist das auch kein Problem für Sie. Der betreffende Vermittler, dem der AVGS nach Meinung Ihres Arbeitgebers zusteht, wird sich dann selbst um das Original Ihres AVGS bemühen.

Im für Sie am zeitaufwendigsten Fall wird der Arbeitsvermittler Sie bitten, sich ein Duplikat Ihres AVGS von Ihrer zuständigen Betreuerin bzw. Betreuer bei der Agentur für Arbeit abzuholen. Der Arbeitsvermittler wird aber dann schon Kontakt zu Ihrer Betreuerin bzw. Ihren Betreuer aufgenommen haben und die Ausstellung des Duplikates einvernehmlich geklärt haben.